| Antragsteller*in: | Kreisvorstand |
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A-3: Stadtentwicklung, die Mitte lebenswert macht
Antragstext
Die drängendste Aufgabe der bezirklichen Wohnungspolitik ist es, ausreichend
bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Um den derzeitigen Bedarf zu decken, planen
wir neuen Wohnraum durch Neubau, aber auch ohne zusätzliche Versiegelung durch
Aufstockungen und Dachgeschossausbauten im Bestand. Dafür wenden wir
planungsrechtliche Instrumente wie den “Bau-Turbo” an. Damit auch wirklich
gebaut wird, setzen wir Instrumente wie Bauverpflichtungen ein.
Wir wollen in Mitte neue, lebendige und durchmischte Quartiere in Zusammenarbeit
zwischen öffentlicher Hand und privaten Investoren schaffen. Für alle Menschen
soll ausreichend Wohnraum geschaffen werden. Außerdem werden wir sicherstellen,
dass auch Wohnungen zur Miete im unteren und mittleren Preissegment entstehen.
Auf dem Zentralen Festplatz setzen wir uns weiter für ein nachhaltiges
Wohngebiet mit bis zu 4.000 Wohnungen ein. In Moabit planen wir ein Gesundheits-
und Sozialquartier durchmischt mit bezahlbarem, barrierearmem Wohnraum. Am S-
Bahnhof Wedding fördern wir zügige Verfahren für ein offenes, gemischt genutztes
Quartier. Hinter dem Rathaus Müllerstraße wollen wir 140 mietpreisgebundene
Wohnungen und belebte Gewerbenutzungen rund um den Rathausplatz schaffen.
Alle Quartiere sollen klimaresilient sein – mit nachhaltiger Bauweise,
erneuerbarer Energie, Raum für Biodiversität, Regenwasserversickerung und
Hitzeschutz. Dazu setzen wir einen Leitfaden für klimaresiliente Bauleitplanung
ein. Der Schutz von Naturflächen zieht in der städtebaulichen Entwicklung oft
den Kürzeren. Das ändern wir: Für bedrohte Bereiche ohne gute
Grünflächenversorgung stellen wir Landschaftspläne auf, mit verbindlichem und
ambitioniertem Biotopflächenfaktor für einen grünen Bezirk!
Wir wollen Orte der Begegnung und Teilhabe im öffentlichen Raum stärken und neu
entwickeln. Deshalb setzen wir uns für die Ausweisung neuer Quartiersmanagements
und den nachhaltigen Übergang auslaufender Angebote in Nachfolgestrukturen ein.
Dabei greifen wir auf Best-Practices aus Planungsverfahren, wie dem
Quartiersmanagement am Humboldthain, zurück.
Die City Ost im Bereich Friedrichstraße und Gendarmenmarkt wollen wir mit einer
Charta City Ost 2040 neu beleben: Einzelhandel, Gastronomie und Gewerbe sollen
hier gestärkt werden. Konkret zielen wir unter anderem auf die Umnutzung
leerstehender Gebäude zu Multi-Use-Einheiten und die Verbesserung der
Aufenthaltsqualität durch Begrünung und Entsiegelung.
Einen weiteren Fokus setzen wir auf die Neue Weddinger Mitte. Wir wollen
Leopold- und Rathausplatz zu einem belebten, sicheren und sauberen Zentrum
verbinden. Dafür verlegen wir den Genter Markt auf den Rathausplatz, errichten
einen Stadtteilpavillon und schaffen einen breiten Fußgängerüberweg zwischen den
Plätzen. Das ehemalige Karstadtgebäude wollen wir zu einem kulturellen Zentrum
entwickeln. Langfristig streben wir eine Mischnutzung mit Kultur und Wohnen an.
Auch die Hochhausentwicklung in Mitte ist fester Bestandteil unserer
Stadtentwicklungsstrategie. Wir unterstützen neue Hochhäuser durch innovative
städtebauliche, architektonische und ökologische Standards. Dabei befürworten
wir die Anwendung des Hochhausleitbildes von 2020 mit seinen Kriterien zu
Nutzungsmischung, Gemeinwohlorientierung und Nachhaltigkeit und entwickeln es
weiter.
Wohnraum ist zum Wohnen da – das Zweckentfremdungsverbot, insbesondere gegen
spekulativen Leerstand, wollen wir effektiv durchsetzen. Deshalb stärken wir das
Bezirksamt in diesem Bereich: Hier braucht es zusätzliche Stellen, einen
Mindestbetrag bei Bußgeldern und ein neues Fahrzeug, um besser vor Ort ermitteln
zu können.
Um Mieter:innen besser vor unlauteren Methoden ihrer Vermieter zu schützen,
sorgen wir außerdem für die Einhaltung von § 6 Wirtschaftsstrafgesetzbuch. Dazu
haben wir bereits zwei Stellen im Wohnungsamt geschaffen und wollen Musterklagen
anstrengen.
Wohnraum für alle – wirksame Hilfsangebote auf Augenhöhe
Ein eigenes Zuhause ist eine entscheidende Voraussetzung für ein Leben in Würde
und für gesellschaftliche Teilhabe. Deshalb wollen wir Obdachlosigkeit durch
mehr Zielgruppengenauigkeit erfolgreicher bekämpfen. Für Suchtkranke schaffen
wir ein Haus der Hilfe, das Wohnen, Suchthilfeangebote und Beratung kombiniert.
Beim Senat setzen wir uns weiter für Housing First ein. Die eigene Wohnung soll
nicht der letzte, sondern der erste Schritt sein.
