| Antragsteller*in: | Veronika Gräwe |
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O6-1: Veronika Julia Gräwe
Name
Bewerbung
Liebe Freund*innen,
„Wir sind auf vielfältiges biographisches Erfahrungswissen und vielfältige Perspektiven aus der ganzen Breite der Gesellschaft angewiesen, um als Partei umfassende Antworten auf Fragen zu finden, die uns als gesamte Gesellschaft betreffen.“, so unser Vielfaltsstatut.
Ich bin Vero, seit 2021 Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen und im KV-Mitte und aktuell eure Bürger*innendeputierte im Ausschuss für Soziales Arbeit, Bürgerdienste und Wohnen.
Ich bin die Doktorandin mit den Stipendien und dem Forschungsaufenthalt in Yale. Ich bin aber auch die behinderte, verrückte ehemalige Drehtürpsychiatriepatient*in mit dem Jugendhilfe-Background. Verrückt ist ein empowernder und emanzipierender Begriff, den sich manche Menschen mit psychischen Behinderungen angeeignet haben.
Ich bin die, die sich wissenschaftlich mit Data Disaggregation beschäftigt und weiß, wir müssen nicht nur fragen, ob etwas funktioniert, sondern für welche Gruppen es funktioniert und für welche nicht. Ich bin die, die schon 2023 unseren BVV-Antrag „Menschen mit Behinderungen und pflegebedürftige Menschen im Katastrophenfall schützen“ angeregt hat. Noch bevor im Südosten und im Südwesten Berlins der Strom ausfiel und plötzlich auffiel, dass wir im Katastrophenfall wissen müssen, wer wo Hilfe braucht.
„Unser Anspruch ist ein Bezirk, der verlässlich unterstützt, früh hilft und niemanden durch das Raster fallen lässt.“ Das versprechen wir den Menschen in Mitte in unserem Bezirkswahlprogramm. Ich weiß wo unser Bezirk nicht funktioniert und wo Menschen durchs Raster fallen, aus eigener Erfahrung und aus Gesprächen mit behinderten und verrückten Menschen und mit Careleaver*innen. Careleaver*innen ist der Begriff für Personen, die in der stationären Jugendhilfe, in Wohngruppen und Pflegefamilien aufwachsen.
Die Eingliederungshilfe und die Hilfen zur Erziehung sind zwei der größten Haushaltsposten in unserem Bezirk. Viele reden von versteinerten Haushalten, von Kosten die das Land nicht 1:1 refinanziert. Ich rede mit Menschen, bei denen die Eingliederungshilfe nicht ankommt, obwohl das Amt sie bezahlt. Ich rede mit Menschen, die mir sagen, dass ihre Zeit in der Jugendhilfe gewaltvoll war und die Drogen das einzige sind, das sie überhaupt noch am Leben hält. Ich rede mit Menschen, die mir sagen, sie haben kein Vertrauen mehr in Ämter und Verwaltung. Lieber weniger Hilfe, Hauptsache kein Kontakt mit dem Amt. Das möchte ich als eure Bezirksverordnete ändern. Mit Anfragen und Anträgen werde ich mich dafür stark machen, dass Leistungen, für die wir als Bezirk bezahlen, auch in entsprechender Qualität bei behinderten, jungen und alten Menschen ankommen. Dafür werde ich jeden noch so kleinen Spielraum nutzen, den wir im Bezirk haben, damit Menschen eine funktionierende Verwaltung und Hilfe vorfinden, die Teilhabe ermöglicht und sie weiterbringt. Das serviceorientierte Beschwerde- und Qualitätsmanagement und die lernende Verwaltung, die wir in unserem Wahlprogramm versprechen, möchte ich mit euch als eure Bezirksverordnete klar machen.
Und was sonst noch so auf meiner To-Do Liste für die kommende BVV steht? Eine wohnortnahe und niedrigschwellige Versorgung für Menschen mit psychosozialen Belastungen. Meine Erfahrung zeigt mir, Menschen wissen oft selbst am besten, was sie brauchen. Ich glaube, unser Bezirk kann von einer emanzipatorischen Verrücktenpolitik profitieren, welche Menschen als Expert*innen für ihr Leben ernst nimmt. Ich will nicht mehr hören, bestimmte Menschen, die wollen keine Hilfe annehmen. Ich will, dass wir als Bezirk mit den Menschen die Hilfe entwerfen, die für sie passt. Unsere Spielräume auf der Bezirksebene mögen nicht gigantisch sein, aber die, die wir haben, sollten wir nutzen.
Junge Menschen sollen ohne Brüche in Ausbildung, Studium oder Beruf starten auch diejenigen, die in der stationären Jugendhilfe aufwachsen. Das steht in unserem Wahlprogramm und dafür mache ich mich stark. In der bundesweiten Interessenvertretung von Careleaver*innen habe ich mich für Bildungschancen eingesetzt. Ich habe Modell-Projekte für Leaving Care kennengelernt von Schleswig-Holstein bis Großbritannien. Die passenden Bausteine und Best Practices daraus für unseren Bezirk möchte ich mit euch nach Mitte holen. Statistisch gesehen landen junge Menschen mit Jugendhilfeerfahrung überproportional auf der Straße, auch das möchte ich mit euch in Mitte angehen.
Manchmal wenn ich an den konsumierenden Menschen am Leo vorbeigehe, meine ich, Gesichter zu erkennen, mit denen ich mir mal ein Zimmer in der Psychiatrie geteilt habe. Manchmal frage ich mich, ist da wer dabei, der mit mir in der Jugendhilfe gewohnt hat? Für mich ist klar, das Haus der Hilfe muss kommen, wir brauchen endlich eine nachhaltige und bedarfsgerechte Antwort auf Konsum und Verelendung – egal, wie viele Sicherheitsgipfel es dafür mit Steffi noch erfolgreich zu kapern gilt!
Ich bin selbst nichtbinär und habe mich in den letzten Jahren in unterschiedlichsten queeren Zusammenhängen engagiert. Queer ist Querschnittsthema. Hier haben wir im Bezirk unter anderem mit der Installation des Queer- und Antidiskriminierungsbeauftragten schon einiges erreicht. Meine Priorität für die nächste BVV ist endlich in der Frage wohnungsloser trans, inter und nicht-binärer Personen weiterzukommen. Damit eben niemand zwischen gemischten cis-männlich dominierten Unterkünften und reinen Frauenunterkünften durchs Raster fällt.
Wir gehen in keine rosigen Haushaltszeiten. Umso wichtiger wird es sein kleinste Spielräume zu nutzen und vorhandene Ressourcen klug einzusetzen. Das will ich als eure Bezirksverordnete angehen. Mit einem langen Atem und einem Mix aus Street Credibility, fachpolitischer Expertise und evidenzbasierter Politik.
Ich bin Vero und mit euch möchte ich mich stark machen, für eine Berliner Mitte, die wirklich für alle da ist und für einen Bezirk, in dem niemand durchs Raster fällt. Dafür bitte ich um euer Vertrauen und eure Stimme.
Eure
Vero (Veronika)
Grüne Bio
- Mitglied im KV Mitte seit 2021
- Bürger*innendeputierte im Ausschuss für Soziales, Arbeit, Bürgerdienste und Wohnen
- Delegierte für die FLINTA-Konferenz für den KV
- Ersatzdelegierte für die Landesdelegiertenkonferenz für den KV
- Ersatzdelegierte für den Bundesdiversitätsrat für den Berliner Landesverband
Weiteres
- Doktorandin in der Theologie/Pastoralpsychologie
- M. A. Religion und Kultur
- B. A. Dramaturgie
- diverses ehrenamtliches Engagement im Bereich Queerpolitik, Behinderten- und Verrücktenpolitik und Careleaver*innen/Hilfen zur Erziehung
- berufliche Erfahrung in der Erwachsenenbildung und in einer kirchlichen NGO im Bereich der Fördermittelvergabe
